Rundbrief Nr. 2

Hallo ihr Lieben,
es ist wieder so weit: ich schreibe einen weiteren Rundbrief. Fünf Monate sind jetzt schon vergangen und in den letzten drei Monaten ist sehr viel passiert, von dem ich euch jetzt berichten werde. Im Vorhinein möchte ich euch wie auch beim letzten Mal darauf hinweisen, dass das, was ich hier erzähle, meine eigenen Eindrücke und Erfahrungen sind, die nicht ganz Indonesien oder alle Indonesier widerspiegeln.

Weihnachtszeit

Eine sehr spannende Zeit ist sicherlich immer die Zeit vor und an Weihnachten. Für mich war es das erste Mal, dass ich Advent und Weihnachten nicht mit meiner Familie und unseren jeweiligen Ritualen verbracht habe. Deshalb hatte ich einerseits wirklich Respekt vor dieser Zeit, habe mich andererseits aber auch auf das Neue und die andere Art, Weihnachten zu feiern, gefreut. Schon vorher wurde mir von den Kindern und Ibus (Erzieherinnen) hier erzählt, dass sehr viele Gäste kommen würden, die sehr viel Essen mitbrächten, sodass am Ende die Schränke der Kinder und des Kinderheims voll mit Süßigkeiten sein würden, was auch stimmte: Am Ende haben wir den Vorratsraum vergrößert.
Kurz vor Weihnachten fingen wir an, das Kinderheim und vor allem die Aula zu schmücken. Wir haben Kränze an die Türen gehangen, den Tannenbaum aufgebaut und geschmückt und Engel gebastelt. Außerdem habe ich an einem Nachmittag mit den Kindern ganz viele Schneeflocken aus Papier gebastelt, die zu Girlanden zusammengefügt und aufgehangen wurden. Dies hat den Kindern so viel Freude bereitet, dass wir später in ihrer Freizeit noch weitere Papier-Schneeflocken und -Sterne gebastelt haben, damit die Kinder auch ihre Zimmer schmücken konnten.
Ab dem ersten Dezember kamen dann wirklich fast täglich (öfter auch mehrmals am Tag) Gäste ins BKM. Oft waren es Menschen aus der gleichen Kirche, es kamen aber auch Schulgruppen oder einzelne Familien. Einmal kam auch eine Gruppe von Soldaten vorbei. Außerdem waren wir bei verschiedenen Weihnachtsfeiern eingeladen: in einem Hotel, in einem Restaurant, im Rathaus… Die Feiern, die übrigens ab dem ersten Dezember auch Weihnachtsfeiern hießen (von Advent habe ich hier eher weniger gehört), waren meistens ähnlich: erst wurde ein Gottesdienst gefeiert, bei dem ein wichtiger zusätzlicher Bestandteil war, sieben Kerzen auf einem großen Kerzenständer anzuzünden, die während des Gottesdienstes geleuchtet haben. Die Lieder, die wir gesungen haben, hatten meistens die gleiche Melodie wie die Weihnachtslieder, die ich aus Deutschland kenne.
Das hat das Mitsingen für mich dann auch einfacher gemacht. Nach dem Gottesdienst gab es meistens Reden (manchmal sehr viele und lange) von den verschiedensten Leuten. Wenn die Reden vorbei waren, wurden Geschenke an das BKM überreicht, die in der Zeit oft zusätzlich zu dem üblichen Öl, Reis und Zucker noch aus Süßigkeiten und Kuchen bestanden. Anschließend wurde meistens noch gemeinsam gegessen, was eigentlich immer sehr lecker war.

In den Tagen, an denen keine Gäste kamen, haben alle auf dem Feld den Mais gesät, was oft durch die Hitze sehr anstrengend war, aber wenigstens gab es danach ja immer einen sehr leckeren Snack.

Abends wurden oft Lieder, Tänze oder Theaterstücke eingeübt, die den Gästen vorgeführt wurden.
Am Freitag vor Weihnachten fand die Weihnachtsfeier der Sonntagschule statt, bei der ich auch zugeschaut habe. Hier haben die Kinder die einstudierten Theaterstücke und Gedichte vorgetragen, während die Eltern zuschauten.
Am 4. Advent und am 26. Dezember fanden in unserer Kirche Kindertaufen statt. Ich finde es sehr interessant, dass man die Taufen mit Weihnachten verbindet. So werden – wenn ich das richtig verstanden habe – alle Kinder, die das Jahr über geboren wurden, an Weihnachten getauft.
Heiligabend wurde nicht wirklich gefeiert, was es für mich etwas schwerer gemacht hat, weil ich dann doch die Traditionen und das Beisammensein mit meiner Familie vermisst habe. Abends sind die großen Kinder zwar schon in die Kirche gegangen, dort fand aber doch eher ein normaler Gottesdienst statt.
Der 25. Dezember war dafür umso schöner. Wir haben morgens Gottesdienst gefeiert, nachmittags Lieder, Tänze und Theaterstücke für den 27. (dazu später mehr) einstudiert und abends ein Weihnachtskonzert eines Kinderchors, welches wunderschön war und in mir auch wirklich Weihnachtsgefühle ausgelöst hat, besucht. Am 27. Dezember haben alle Kinderheime aus Siantar, darunter auch ein Heim für Kinder mit Behinderungen, gemeinsam Weihnachten gefeiert. Dieses Jahr fand das Fest bei uns statt. Es war eine Feier für die Kinder und nicht für Gäste, weshalb sich auch alle auf diesen Tag gefreut haben. Morgens sind wir extra früh aufgestanden, um uns hübsch zu machen. Manche Mädchen und Ibus sind sogar in den Frisörsalon gefahren und haben sich dort die Haare machen und schminken lassen. Ich hatte mir im Vorhinein zusammen mit einer Ibu ein Outfit gekauft, das dem der Ibus ähnlich sah. Der Rock ist vielleicht nicht der bequemste und praktischste (man kann kaum darin laufen), aber ich finde, es hat was. Auch diese Feier fing mit einem Gottesdienst an, der zum größten Teil mit den einstudierten Liedern, Theaterstücken und Tänzen der Kinder gestaltet wurde. Es war wunderschön und die Kinder haben das wirklich alle sehr toll gemacht. Wir haben an manchen Stellen fast vor Rührung und an anderen Stellen vor Lachen geweint. Anschließend haben wir alle gemeinsam gegessen und die Kinder haben noch zusätzliche Lieder und Tänze vorgeführt. Nachdem die Geschenke an die Kinderheime überreicht
worden waren, war das offizielle Programm beendet. Daraufhin hat bei uns dann ein kleiner Fotomarathon begonnen, denn dieser besondere Tag sollte ja festgehalten werden. Auch nach Weihnachten (bis in den Januar hinein) fanden noch weitere Weihnachtsfeiern statt.
Am 30. Dezember habe ich es dann auch geschafft, mit den Kindern Plätzchen zu backen. Ich wollte es eigentlich schon viel früher machen, aber wegen der vielen Gäste und Weihnachtsfeiern hatte es vorher leider nicht geklappt. Den Kindern hat es aber trotzdem Spaß gemacht und geschmeckt haben die Plätzchen ja auch noch nach Weihnachten.

Insgesamt war es eine anstrengende, aber auch wirklich schöne Advents- und Weihnachtszeit. Ich habe sie sehr genossen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mich auf Weihnachten 2019 bei niedrigeren Temperaturen und dafür mit Traditionen und Ritualen wie Weihnachtsmarkt, Plätzchen backen, Adventskranz, lebendiger Adventskalender, Vorlesen usw. wirklich freue.

Silvester

Silvester war mein persönliches Highlight im Dezember. Wir waren abends in der Kirche, wo das neue kirchliche Unterthema für das Jahr 2019 vorgestellt wurde. 2016-2020 stehen unter dem Motto aus 2. Timotheus 3,17 (Mit den Heiligen Schriften in der Hand ist der Mensch, der sich Gott zur Verfügung gestellt hat, ausgerüstet für alle Aufgaben seines Diensts.“). Dafür gibt es jedes Jahr ein Unterthema. 2018 war das Unterthema die Diakonie, 2019 ist es jetzt die Liturgie. Anschließend haben wir beim BKM draußen gegrillt und gegessen. Das habe ich bisher an Silvester auch noch nicht gemacht, aber bei den
Temperaturen hier war es wirklich sehr angenehm. Anschließend haben wir uns einfach nur unterhalten, gemeinsam Musik gehört und dazu getanzt. Genau das war es, was ich den Dezember über etwas vermisst habe, weil das einfache Zusammensein durch die vielen Gäste nicht möglich war. Um Mitternacht haben wir eine Andacht gehalten, die die Kirche für alle Familien vorbereitet hatte. Danach wurde das neue Jahr mit Silvesterböllern und Wunderkerzen begrüßt. Nach einem Kuchen-Snack war die Feier dann auch schon vorbei. Am nächsten Morgen mussten wir nämlich wieder um sieben Uhr aufstehen, um pünktlich zum Neujahrsgottesdienst in der Kirche zu sein..

Ausflug mit BKM

Einmal im Jahr (meistens in den Weihnachtsferien) macht das komplette BKM gemeinsam einen Ausflug. Eigentlich wollten wir dieses Jahr an den Toba-See. Dort war allerdings eine Brücke aufgrund zu starken Regens eingestürzt und es bestand die Gefahr weiterer Erdrutsche, sodass es den Ibus zu gefährlich war, dorthin zu fahren.

Deshalb haben wir das „Timuran“ besucht. Dies ist eine Art Schwimmbad. Die Becken bestehen aus einem Fluss, bei dem Dämme, Wände und Rohre dafür sorgen, dass verschiedene Becken mit unterschiedlicher Tiefe entstehen. Es ist dort alles sehr naturbelassen, was sehr schön ist. Wir sind morgens schon sehr früh mit sehr viel Essen im Gepäck aufgebrochen. Deshalb war es anfangs auch noch sehr leer dort und wir hatten eigentlich alle Becken für uns, was wir natürlich ausgenutzt haben. Es wurden Fotos gemacht, geschwommen und getaucht. Obwohl nur sehr wenige Kinder schwimmen können, ist uns kein Kind untergegangen (obwohl es eine kritische Situation gab). Die Kinder haben sich allerdings gegenseitig etwas geholfen, sodass die Nichtschwimmer ein bisschen schwimmen gelernt haben, aber das braucht ja Zeit. Wer nicht im Becken war, hat die Zeit draußen auf den Matten genutzt, um sich auszuruhen. Nach der anstrengenden Weihnachtszeit war es ein sehr schöner und gelungener Tag, der allen Spaß gemacht hat.

Zwischenseminar und Urlaub

Am 12. Januar bin ich zum Zwischenseminar losgefahren/geflogen, das dieses Jahr in Rantepao auf Sulawesi (in der Gegend Toraja) stattfand. Die VEM hat das einwöchige Seminar gemeinsam mit der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) durchgeführt, die derzeit drei Freiwillige nach Sulawesi ausgesandt hat.

Es tat sehr gut, sich mit den anderen Freiwilligen auszutauschen, die teilweise dieselben, teilweise aber auch ganz andere Erfahrungen gemacht haben. Außerdem habe ich verschiedene Ideen für zum Beispiel den Englischunterricht oder die Freizeitbeschäftigung mit den Kindern mitgenommen, sodass ich sehr motiviert wieder ins BKM zurückgekehrt bin. Es war darüber hinaus auch sehr schön, einige Zeit sehr viel Deutsch zu sprechen. Es ist zwar so, dass mir Indonesisch sprechen jetzt immer leichter fällt und ich oft nicht mehr darüber nachdenke, wie ich etwas sage, aber es ist doch leichter, sich auf Deutsch auszudrücken.
Am Zwischenseminar hat außer der Projektleiterin des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes
bei der VEM und den fünf Freiwilligen noch ein weiteres Mädchen teilgenommen, welches als Süd-Nord-Freiwillige der EMS ab Februar ein halbes Jahr in Deutschland verbringen wird. Ihr haben wir unter anderem erklärt, was in Deutschland anders sein wird und worauf sie achten muss. Währenddessen kamen selbst uns die deutsche Kultur und manche Denkweisen sehr merkwürdig vor. Außerdem hat uns noch eine Frau aus der Kirche in Rantepao während des Zwischenseminars begleitet. Sie konnte uns sämtliche Fragen bezüglich der indonesischen Kultur beantworten, was sehr hilfreich war, weil wir so doch manches besser verstanden haben. Auf dem Hinweg (der übrigens mit allen Fahr- und Wartezeiten ungefähr 48 Stunden gedauert hat) nach Rantepao, wo das Zwischenseminar stattgefunden hat, hatten wir einen Tag Aufenthalt in Makassar. Dort sind wir schon auf eine Freiwillige der EMS gestoßen und der rege Austausch fing an, während wir am Meer waren und von Café zu Café gegangen. Es war sehr schön in diesen Cafés nochmal „westliches“ Essen zu essen. Abends sind wir schließlich mit einem Nachtbus von Makassar nach Rantepao gefahren. Diese Nachtbusfahrt war bisher die coolste meines Lebens. Die Sitze waren mega bequem, man konnte die Füße hochlegen und man hatte Decken (kalt war mir wegen der extremen Klimaanlage trotzdem), sodass ich wirklich fast komplett durchgeschlafen habe und erholt in Rantepao ankam. Dort war ich erstmal total begeistert von der wunderschönen Natur, die ihr auch auf den verschiedenen Bildern bewundern könnt. An einem Tag während des Zwischenseminars haben wir alle zusammen einen Tagesausflug zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten in der Gegend gemacht:

  • „Negeri di atas awan“ (Land über den Wolken): Dies ist ein Berg, dessen Spitze morgens über den Wolken liegt. Wir sind deshalb früh morgens dorthin gefahren, haben den Sonnenaufgang angesehen und die Aussicht genossen
  • Beerdigungen sind in Toraja meist sehr große Feste, die mit sehr vielen Traditionen verbunden sind. Die Beerdigungen dauern mehrere Tage und können sehr kostenintensiv sein. Um die notwendigen Geldmittel anzusparen, finden manche Beerdigungen erst mehrere Jahre nach dem Tod statt. Wir hatten die Chance ein wenig Einblick in ein solches Event zu bekommen. Die richtige Feier an diesem Tag hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen, aber wir konnten sehen, wie die ganzen Gebäude aussahen, die extra dafür aufgestellt wurden. Außerdem wurde zufällig genau zu dem Zeitpunkt als wir da waren ein Büffel geschlachtet (auch eine Tradition bei Beerdigungen). Der Büffel wird nachher von den Gästen gegessen. Wir haben also gesehen, wie der Büffel getötet wurde und ausgeblutet hat (was überraschenderweise extrem schnell ging). Danach sind wir allerdings gegangen, weil das Häuten usw. mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann und wir wollten ja noch weiter.
  • Wir haben die am höchsten gelegene Jesusstatue der Welt besucht, die mit 40 m Höhe extrem imposant ist und einen wunderschönen Ausblick über die Landschaft Torajas bietet.
  • Im kleinen Dorf Kete Kesu konnten nicht nur die traditionellen Häuser der Toraja bewundern, sondern auch die Gräber besichtigen, die teilweise an einer steilen Felswand befestigt sind. Diese Gräber sind schon sehr alt und auch teilweise zerstört, sodass die Skelette der Menschen sichtbar waren.

Das Zwischenseminar habe ich zusammen mit zwei weiteren Freiwilligen mit einem einwöchigen Urlaub verbunden. Direkt nach dem Seminar waren wir noch einen weiteren Tag in Rantepao, an dem wir noch eine kleine Wanderung gemacht und sonst den Tag in Cafés mit Kartenspielen ausklingen lassen haben. Abends haben wir wieder den Nachtbus nach Makassar genommen. Dort angekommen war es noch sehr früh morgens und wir hatten die Gelegenheit noch ein bisschen bei den Verwandten der Gastfamilie einer Freiwilligen weiter zu schlafen. Nachmittags sind wir dann weiter zum Bara-Beach gefahren. Dort war es wunderschön und ich möchte euch von meinen zwei Highlights hier berichten:

– Schnorcheln in der Nähe einer vorgelegten Insel (für uns war es alle das erste Mal und wir waren sehr begeistert)
– Höhlenbesichtigung mit Schwimmen in einem kleinen
Süßwassersee tief unten in der Höhle; wir hätten die Höhle fast nicht gefunden und waren auch alleine dort, was den Reiz erhöht hat

Nach den tollen Tagen am Bara-Beach sind wir wieder zurück nach Makassar gefahren. Wir hatten kurz Angst, dass wir nicht mehr zurück kommen, weil zu dem Zeitpunkt Hochwasser in der Nähe von Makassar war und uns mitgeteilt wurde, das öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr fahren. Es hat aber alles geklappt und wir sind gut in Makassar angekommen. Dort durften wir nochmal zwei weitere Nächte bei der Familie übernachten. Eigentlich wollten wir den einen vollen Tag in Makassar für einen Tagesausflug nutzen, von dem wir allerdings auf Grund des Regens und Hochwasser von Abstand genommen haben. Stattdessen waren wir in einer Mall, waren etwas shoppen, haben das Essen genossen und waren im Kino. Wie ihr lesen könnte, war der Urlaub wunderschön.

Sprache

Da die indonesische Sprache natürlich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist, möchte ich diesen Rundbrief nutzen, um darauf noch einmal ein bisschen genauer einzugehen. Hier möchte ich aber ausdrücklich betonen, dass ich natürlich nur einen kleinen Teil Indonesiens sehe und alles, was ich hier schreibe, auch wenn ich versucht habe, zusätzlich gründlich zu recherchieren, nur mein persönlicher Eindruck ist.

Die Amtssprache in Indonesien ist Bahasa Indonesia, also Indonesisch. Das ist auch die Sprache, die ich schon gelernt habe und mit der ich in den meisten Teilen Indonesiens zurechtkomme.
Man hört immer, dass Indonesisch sehr leicht zu erlernen sei, weil es weder Tempora und Konjunktiv noch Genus und Artikel kennt, das Alphabet wegen der jahrelangen holländischen Kolonialherrschaft dem unseren entspricht und es ein Wort, welches dem Wort „sein“ gleichzusetzen wäre, nicht gibt. Im Nachhinein stimme ich dieser Aussage zu, auch wenn ich im ersten Monat doch öfter mal gedacht habe, dass ich Indonesisch nie lernen werde. Die Einfachheit der Sprache hat nämlich am Anfang des Lernprozesses meiner Meinung nach den Nachteil, dass man erst einmal lernen muss, vieles einfacher auszudrücken und auf das Wort „sein“, den Konjunktiv oder halt verschiedene Tempora zu verzichten. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass mein Gegenüber alles auch ohne komplexere Strukturen versteht. Außerdem sind nur sehr wenige Vokabeln den romanischen bzw. indogermanischen Sprachen ähnlich, sodass ich auf keinerlei Vorkenntnisse aufbauen konnte.

Entstanden ist die Sprache während der holländischen Fremdherrschaft, als in immer größerem Maße Handel betrieben wurde und auch über die einzelnen Inseln hinweg kommuniziert werden sollte. Man verzichtete damals auf die Schöpfung einer neuen Sprache und übernahm vieles aus dem Malaiischen (weshalb indonesisch und malaiisch bis heute sehr ähnlich sind), gab dieser Sprache einen indonesischen Anstrich und schon war die indonesische Sprache entstanden.

Eigentlich spricht heute auch fast jeder Indonesier diese Sprache, oft allerdings nur als Zweitsprache. Zusätzlich zu Bahasa Indonesia gibt es in Indonesien nämlich ca. 250 weitere Lokalsprachen und Dialekte. Das BKM liegt in der Region Simalungun. Hier ist zum Beispiel die Lokalsprache Simalungun verbreitet, die die Erzieherinnen im BKM unter sich auch hauptsächlich sprechen und die auch in der Kirche genutzt wird. Die Kinder beherrschen Simalungun teilweise nicht, da sie nicht alle aus dieser Region kommen, sodass im BKM hauptsächlich Indonesisch gesprochen wird. Allerdings versuchen die Erzieherinnen den Kindern jetzt mehr und mehr Simalungun beizubringen.

Außerdem wird hier in der Gegend noch Batak gesprochen, das dem Simalungun zwar ähnlich ist, es handelt sich aber trotzdem um zwei verschiedene Sprachen.
Es werden soweit ich weiß auch noch mehrere andere Sprachen gesprochen (auch jawanisch habe ich schon gehört). Einmal hat mir eine Erzieherin auch erzählt, dass sie manchmal im Kleinbus sitzt und nicht versteht, was die anderen Personen, die im Kleinbus sitzen, reden.

Ich habe anfangs gedacht, dass alle Lokalsprachen eher als Dialekte anzusehen sind. Dies ist aber falsch. Einzelne Wörter ähneln sich zwar manchmal (Beispiel: Danke auf indonesisch heißt terima kasih, auf simalungun heißt es tarima kasih), trotzdem sind es vollkommen eigenständige Sprachen.
Allerdings wurde mir von einer Erzieherin gesagt (keine Garantie, dass das so stimmt), dass in größeren Städten diese Lokalsprachen immer weniger gesprochen werden, da die Kinder und Jugendlichen sie dort nicht mehr lernen und mit Indonesisch aufwachsen.

Das erwartet mich in der nächsten Zeit

Im April wird meine Familie mich besuchen kommen. Wir werden zusammen einen Teil Sumatras bereisen und dann natürlich auch beim BKM vorbeischauen.
Im April finden in Indonesien die Präsidentenwahlen statt und damit verbunden ist eine Pesta demokrasi (Fest der Demokratie)

Wofür ich dankbar bin

  • den tollen Urlaub, den ich verbringen durfte, und damit verbunden, die tollen Menschen, die ich dort kennen lernen durfte
  • das jetzt wirklich gute Zurechtkommen mit der Sprache
  • die immer besseren Beziehungen mit den Menschen hier

Gebetsanliegen

  • die Naturkatastrophen in Indonesien, sowohl die kleineren als auch die größeren (es wird ja nicht über alle in den deutschen Nachrichten berichtet)
  • Kraft und Ausdauer bei den bevorstehenden Aufgaben und Aktivitäten

Ich bedanke mich bei jedem Einzelnen von euch, dass ihr an mich denkt, für mich betet und mich unterstützt. Vielen Dank, dass ihr meinen Bericht lest.

Viele liebe Grüße Eure Issi/Dorothea

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Weihnachtsdekoration in der Aula
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Weihnachtsdekoration basteln
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bei der großen Weihnachtsfeier mit allen Kinderheimen
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beim Silvestergottesdienst
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in Timuran
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Rantepao
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in der Höhle bei Bara

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