Die ersten Eindrücke in Kapstadt

Wow! Ich kann es gar nicht glauben, aber die ersten zwei Wochen in der New World Foundation sind vorbei! Es ist so viel passiert, dass ich schon 24 Seiten in meinem Tagebuch vollgeschrieben habe und mich langsam frage, ob das kleine Buch wohl für ein Jahr reicht.

Erst einmal kann ich sagen, dass ich abends am 16. August 2018 nach einem langen Flug (mit sehr vielen Filmen) gut in Kapstadt angekommen bin 😊 Bei dem Zwischenstopp in Amsterdam durfte ich dann meine beiden Mitfreiwilligen Jackie und Jan kennenlernen. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und direkt angefangen Späße miteinander zu machen. Das ist darauf hinausgelaufen, dass ich berühmt dafür bin, dass ich nicht hören und mir nichts merken kann. Ich fühle mich echt schon wie zu Hause bei den beiden.

Am ersten Morgen nach der Landung ist uns in unserer wunderschönen kleinen Wohnung als erstes aufgefallen wie kalt es doch ist. Die meisten Häuser hier sind nämlich nicht gut isoliert und unsere Wohnung besitzt auch noch keine Heizung. Deshalb sitzen wir drei abends mit Pulli, dicken Socken und Decke in unserer Wohnung und reden über unsere neuen Eindrücke und immer wieder über Deutschland und unsere Familien. Nach dem großen Farmshopping (auf der Farm haben die vorigen Freiwilligen gewohnt und immer mal wieder einige Sachen dagelassen) ist es in unserer Wohnung auch etwas heimischer geworden durch Spiele, Bücher, DVD´s und Küchengeräten. Leider dürfen wir nichts an die Wand kleben, pinnen oder schrauben, weswegen man anderweitig kreativ werden muss.

Die meiste Zeit verbringen wir allerdings in der New World Foundation (NWF). Hier war wirklich viel los in der ersten Woche, denn wir haben versucht, uns alle Programme anzuschauen. Ich bin erstaunt wie viel die NWF doch an Programmen macht, denn vorher dachte ich wären hier hauptsächlich das Educare (Kindergarten) und die Youth Clubs (für Kinder, die zur Schule gehen). Es gibt jedoch etliche Support Groups (für junge und ältere Frauen und für chronisch kranke Menschen), Vorbereitungen auf Bewerbungen und Bewerbungsgespräche für jüngere und ältere Menschen, Computerkurse, Nähkurse, Schreibworkshops und viele Menschen, die direkt bei Problemen in der Community helfen. Die Community (dt. Gemeinschaft) sind alle Menschen, die im Stadtteil Lavender Hill leben. Sie drücken damit aus, dass sie alle eine große Familie sind, trotz ihrer Probleme, was für mich sehr beeindruckend ist.

Die Auswirkungen der Probleme haben wir schon nach kurzer Zeit erzählt bekommen oder gehört. In Lavender Hill gibt es nämlich verschiedene Gangs, die sich rivalisieren. Erstaunlicherweise kommt es meistens im August zu Ausschreitungen. So haben auch wir schon Schüsse fallen hören. Dazu möchte ich anmerken, dass ich mich hier zu jeder Zeit komplett sicher gefühlt habe, da viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. So wohnen wir jetzt in Muizenburg und dürfen nur mit dem Auto, was wir immer direkt abschließen sollen, in Lavender Hill fahren.

Das erste Mal als wir Schüsse gehört haben, dachte ich wären es nur Feuerwerkskörper. Erst bei der Reaktion von den Menschen, habe ich verstanden was wirklich passiert. Zwar werden für uns Freiwillige viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen, aber die Menschen hier leben mit diesen Problemen jeden Tag. Wenn sie nach Hause gehen, müssen sie sich ständig umsehen, um bei eventueller Gefahr schnell in ein Haus zu rennen. Das erschreckt mich echt. Zum Glück ist aber seit vorgestern wieder Frieden in Lavender Hill und man merkt wie erleichtert hier jeder ist.

An den Wochenenden haben wir ebenfalls viel erlebt. So waren wir kurz in der Innenstadt von Kapstadt, in dem Einkaufszentrum an der Waterfront, im Gottesdienst und bei der Talstation des Tafelberges. Man hat von dort aus eine absolut wunderschöne Aussicht auf Kapstadt und ich freue mich darauf noch einmal dorthin zu gehen.

Als erstes dachte ich jedoch, dass ich hier nur zum Urlaub in Kapstadt bin und die morgendliche Aussicht auf den Berg nebenan und der Strand gegenüber von der Straße nur von kurzer Dauer sind. Langsam wird mir aber bewusst, dass ich das jeden Tag genießen kann und bin etwas überwältigt von dem Gedanken. Bisher bin ich generell von vielen Gedanken überwältigt, vor allem aber von dem, dass ich ein Jahr lang in Kapstadt sein werde und meine Familie nicht sehen kann. Es macht mich einerseits sehr traurig aber andererseits fange ich langsam an mich hier einzugewöhnen und ich freue mich auf die Zeit, die noch vor mir liegt. 🙂

Ps: Zum Schluss möchte ich hervorheben, dass all diese Dinge, die ich beschrieben habe meine persönlichen Wahrnehmungen sind und daher nicht generalisiert werden können. Außerdem bin ich seit gerade erst zwei Wochen in Kapstadt und kann deswegen viele Zusammenhänge noch nicht erkennen und Erlebnisse beurteilen.

3 Responses

  • Hello Leonie!
    Das Problem mit dem Tagebuch habe ich auch nur, dass bei mir erst eine Woche um ist:(

    Dein Text ist voll schön und es freut mich wenn es dir in Kapstadt gefällt. Ich mag, was du bei PS hingeschrieben hast.
    hdl und freue mich auf das Rückkehrendenseminar. :))
    Lisa

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    • Leonie Otto

      Hi Lisa!
      ich freu mich so über die Rückmeldung zu meinem ersten Beitrag! Dankeee!
      Ich freue mich auch schon auf das Rückkehrendenseminar, aber erstmal kommt die Zeit hier 🙂
      Ich bin auch schon sehr gespannt auf deinen ersten Beitrag 😉
      hdl, Leonie

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    • Jule Schaller

      Ooh ich hab das gleiche Problem auch…
      Da müssen wir wohl alle noch ein zweites Tagebuch anfangen:)

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