Holidaytime (Teil 2)

Wisst ihr, wovor ich am meisten Angst hatte, bevor ich hier nach Kapstadt gekommen bin? Es waren die Fragen, ob bei mir das Weihnachtsgefühl aufkommen würde und ob ich in der Weihnachtszeit extrem Heimweh haben würde. Teilweise hat sich beides bestätigt, aber gleichzeitig auch wieder nicht. Die Adventszeit war wirklich etwas schwer für mich. Aus Deutschland kennt man die ganzen Traditionen: Nikolaustag, Adventskalender, Adventskranz, Weihnachtsmarkt, viele Weihnachtskonzerte, Pfefferkuchenbacken (als Tradition unserer Familie) und das Proben des Krippenspiels. All diese Traditionen hatte ich dieses Jahr nicht wirklich (mit Ausnahme des Krippenspiels, welches ich aber diesmal selbst mitorganisiert habe),

unser Weihnachtsbaum dieses Jahr

weswegen ich überhaupt nicht in die Weihnachtsstimmung reingekommen bin. Genau aus diesem Grund hatte ich auch immer mal wieder ein bisschen Heimweh.

An Weihnachten war es zum Glück anders. Auch wenn ich krank war und deswegen am Weihnachtstag morgens nicht in den Gottesdienst gehen konnte war es sehr schön. Eine andere Familie und die Familie meines Patenonkels haben sich die zwei Tage über immer gegenseitig eingeladen. So hatte man gar keine Zeit viel an Deutschland zu denken. Wir waren auch viel am Pool, am Strand und haben mit Wasserbomben gespielt, weil es so heiß war. Mir ist dann auch klar geworden, dass es egal ist ob man in Weihnachtsstimmung kommt oder nicht. Wichtig ist nur, dass Jesus geboren ist und dass man eine schöne Zeit mit der Familie verbringt, was ich dieses Jahr auf jeden Fall gemacht habe.

Ziplinen bei Lake Eland

Außerdem waren wir noch bei einer Geburtstagsfeier eingeladen, auf der wir die meiste Zeit eigentlich im Pool verbracht haben. Dadurch bin ich nur leider schon wieder krank geworden und zum Glück direkt zum Arzt, der eine Sinusitis bei mir festgestellt hat. Trotz oder wegen den vielen Tabletten ging es mir schnell besser und ich konnte neben den vielen chilligen Sachen, wie puzzeln, lesen, quatschen und spielen, auch mit dem Sohn von meinem Patenonkel ziplinen gehen. Es war einfach nur wundervoll und ich liebe den Adrenalinkick, den man hat, wenn plötzlich der Boden unter den Füßen verschwindet und man an einem Seil über einer 300m tiefen Schlucht hängt 😊 oder wenn man denkt, dass man voll in einen Baum reinfährt und dann nur knapp daneben vorbeisaust! Einen kleinen Adrenalinkick hatte ich auch, als ich zum ersten Mal mit einem Revolver schießen durfte. Keine Angst ich habe nur auf einen Baum gezielt (und ihn noch nicht einmal richtig getroffen).

Sehr genossen habe ich es auch, dass ich für diese Woche in einem eigenen kleinen Gästehaus geschlafen habe. So konnte ich den Tag schon mit Musik hören starten und habe damit auch keinen anderen gestört. Es ist auf Dauer nämlich doch sehr anstrengend, wenn man immer auf Mitbewohner oder Nachbarn achten muss und nicht zu laut ist.

Silvester durfte ich auch noch bei meinem Patenonkel in Shelly Beach feiern. Das war eine der schönsten Neujahrsfeiern meines ganzen Lebens! Es gab wunderbares Essen, tolle Leute und es war warm genug, dass man bis 12 Uhr in einer Hängematte vor einem Lagerfeuer sitzen und den Gesprächen der anderen Leute lauschen konnte. Am schönsten war aber um 12 Uhr auf dem Dach zu sitzen und das Feuerwerk im Tal von Shelly Beach zu bestaunen! Leider wurde in Shelly Beach nicht ganz so viel geknallt, wie man es aus Deutschland kennt, aber dafür hatte man Zeit, die einzelnen Raketen zu beobachten. Wir sind dann auch schon um 1 Uhr morgens wieder nach Hause gefahren, was ich so auch noch nicht kannte. Unsere Familie versucht an Silvester immer so lange wie möglich wach zu bleiben und dann kann es auch mal sein, dass die ersten Kinder schon einschlafen und man sie wieder wecken muss, wenn man um 3 oder 4 Uhr morgens nach Hause gehen will.

An Neujahr ging es dann weiter nach Durban, zum Bruder meines Patenonkels und seiner Familie. Dort haben wir erst einmal Volleyball gespielt und uns allen war die Hitze egal und wie sehr man eigentlich geschwitzt hat, weil wir so viel Spaß dabei hatten (ich habe es so vermisst, Volleyball zu spielen und hoffe sehr dass ich es jetzt öfter machen kann). In Durban haben wir sogar

nachdem wir im Kino Bumblebee gesehen haben

zweimal an einem Tag gebraait und da habe ich erst gemerkt, dass wir das die ganzen Ferien lang bestimmt dreimal so oft getan haben, wie ich in den vier Monaten davor zusammen😊. Der Familie habe ich abends auch Fack ju Goethe gezeigt. Den Film muss man einfach einmal gesehen haben, wenn man Deutsch sprechen kann 😉 (und WLAN hat).

Insgesamt waren meine Ferien super entspannt, ich habe viele schöne Gespräche gehabt und durfte viele neue Leute kennenlernen. Das einzig anstrengende waren die Fahrten. 26 Stunden in einem Bus sitzen, wenn man die Beine nicht ausstrecken kann und noch jemand neben einem sitzt, ist nicht das angenehmste. Ich habe es aber glücklicherweise gut überstanden (wenn auch mit etwas wenig Schlaf).

An dieser Stelle möchte ich allen danken, bei denen ich die drei Wochen unterkommen konnte, vor allem weil es immer mal wieder Planänderungen gab. Ich wurde immer sehr lieb aufgenommen und mit den herrlichsten Speisen verwöhnt.

Zum Glück waren meine Ferien aber noch nicht ganz vorbei, als ich wieder in Kapstadt angekommen bin. Nachdem ich morgens nämlich kurz am Busbahnhof stand, haben mich Jan und zwei Freiwillige aus Johannesburg abgeholt und mich mit einem Frühstück an der Waterfront begrüßt. Es war so entspannt am Wasser zu sitzen und das kleine Picknick zu haben. Direkt danach ging es auch noch weiter in das Zeitz Kunstmuseum, das ich übrigens sehr empfehlen kann (nicht nur des Gebäudes wegen). Das

Picknick auf dem Signal Hill beim Sonnenuntergang

volle Programm hat mich auch nicht sehr gestört, denn ich falle (wie nach jedem Urlaub) erstmal in ein kleines Loch, vermisse die Leute, bei denen ich zu Besuch war, und möchte am liebsten zurück.

Genug Ablenkung war aber auf jeden Fall vorhanden, da wir zwei Wochen fast durchgängig Besuch hatten. Mit den Freiwilligen aus Johannesburg waren wir auch endlich mal auf dem Signal Hill zum Sonnenuntergang picknicken (auch wenn es so kalt war, dass man sogar in einer Decke gefroren hat).

Danach waren noch Jacky´s Bruder und eine Freundin von ihm zu Besuch. Wir hatten aber nicht so viel Zeit zusammen verbringen können, weil wir arbeiten waren. An zwei Tagen hat Jacky´s Bruder allerdings einen Workshop mit den Junior und Senior Clubs gemacht. Er tanzt krump und hat den Jugendlichen ein paar Schritte gezeigt, sodass sie nach 2 Stunden schon eine kleine Choreographie vorführen konnten. Danach gab es immer noch ein bisschen Zeit, in der die Kinder selbst tanzen konnten und ich muss echt sagen, dass manche das Potenzial hätten, das mal professionell zu machen.

eine kleine Tour nach Hout Bay

In den letzten zwei Wochen haben wir auch endlich mal ein paar Sachen von unserer To-Do-Liste abgeharkt: der Sonntagsmarkt (der eigentlich nur zwei Minuten von unserem zu Hause entfernt ist) und Kirstenbosch. Das ist ein wunderschöner botanischer Garten, in dem wir einen sehr entspannten Nachmittag verbracht haben. Außerdem haben wir einen unserer Teilnehmer, der gerade sein matric (Abitur) gemacht hat, zu einer Akademie gebracht. Dort nimmt er für drei Monate an einer Art Training teil, wo es um die Stärkung der eigenen Persönlichkeit geht, sodass man ein Vorbild für andere Menschen werden kann. Das ist einerseits ein sehr schönes Ziel, ist aber andererseits mit vielen Regeln verbunden, wie das Aufstehen um 4 Uhr morgens und das Verbot ein Handy zu benutzen.

die gated community von unserer Terassentür aus

Des Weiteren waren am letzten Wochenende ein paar angehende Pastoren aus Deutschland in Kapstadt, denen wir die New World Foundation zeigen durften. Sie haben so viele Fragen gestellt, dass sogar Jan und ich noch so einiges Neues über die community erfahren durften, obwohl wir schon 5 Monate hier sind😊. Ein sehr schönes Erlebnis war auch eine Worship Night am Strand. Es war atemberaubend mit so vielen Leuten zusammen an einem so herrlichen Ort Gott zu loben und zu preisen.

P.S.: Wie auch bisher möchte ich hervorheben, dass alles was ich beschrieben habe aus meiner subjektiven Perspektive heraus geschehen ist und keineswegs verallgemeinert werden kann.

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