Stressig, stressig

Oh nein! Ich habe meinen zwei Wochen Rhythmus leider nicht eingehalten! Es tut mir echt leid!

Die letzten zwei Wochen waren bisher aber auch die anstrengendsten meines gesamten Freiwilligendienstes. Zuallererst musste ich meinen ersten Bericht für meinen Unterstützerkreis fertigstellen. Eigentlich habe ich hauptsächlich meine Blogeinträge zusammengefasst, weil ich von meiner Arbeit, meinem Alltag und der NWF berichten wollte. Gerade deswegen war es schwer, das Gleiche auf eine andere Weise zu erzählen. Danach durfte ich noch ein Video für meine Eltern machen, weil sie bei der VEM (Vereinten Evangelischen Mission) – die Organisation, die mich vorbereitet hat – ein Treffen mit den anderen Eltern hatten. Es hat mir echt viel Spaß gemacht das Video zuzuschneiden, aber es hat auch etwas Zeit in Anspruch genommen.

auf der Fahrt in die Innenstadt

Dann hat sich Malany noch überlegt, dass wir ein Krippenspiel mit den Kindern machen könnten. Es gibt nämlich ein Projekt „Hope“, deren Teilnehmer durch Spenden unterstützt werden, wenn sie das Thema Religion in ihren Kontexten behandeln. Daher hatten wir die Idee, das Stück bei der Weihnachtsfeier vorzuführen, damit wir zeigen, warum Weinachten überhaupt gefeiert wird. Zwar ist die Idee sehr schön, aber die Umsetzung echt schwierig. Wir haben die Texte nämlich alle selbst geschrieben, mit Inspiration aus deutschen und englischen Krippenspielen. Auch die Proben sind nicht ganz einfach. Die jüngeren Kinder sind sehr motiviert aber laut und die älteren eher ruhig aber eher unmotiviert. Deshalb ist es schwer, mit allen zusammen zu proben. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie der Auftritt am 12. Dezember wird!

Gleichzeitig sollten wir den jährlichen Bericht fertigstellen, hatten dazu ein Treffen und mussten unsere Mitarbeiterbewertung abschicken. Mal sehen was noch so die nächsten Wochen auf uns zukommt.

Diesen Montag hatten wir eine Sicherheitseinweisung bei dem Konsul in Kapstadt. Ich habe mich gefragt, warum das erst 3 Monate nachdem wir hier angekommen sind, stattfindet, aber wir haben trotzdem ein paar wichtige Tipps bekommen, wie man sich in brenzligen Situationen verhalten sollte. Daneben haben wir ca. 50 andere Freiwillige aus Kapstadt kennenlernen dürfen. Ich war erst so überrascht, dass es so viele Freiwillige allein in einer Stadt sind. Später hatten wir aber noch Zeit uns mit den anderen zu unterhalten und auszutauschen wie deren Einsatzstellen so sind. Dabei habe ich gemerkt, dass wir echt Glück hatten, sowohl mit dem Auto als auch mit unserer Wohnung.

Apropos Auto: Ich bin froh, dass ich nicht mehr die einzige bin, die hier Auto fahren darf. Wie ihr vielleicht wisst, herrscht in Südafrika Linksverkehr. Deswegen sollte jeder von uns, bevor wir mit unserem Auto fahren dürfen, ein paar Fahrstunden mit Marius (dem Direktor der NWF) machen. Ich war die erste, die diese Fahrstunden bekommen hat, weil ich am meisten Fahrerfahrung habe. Jan hat nämlich 3 Monate vor der Abreise und Jacky 3 Tage vorher ihren Führerschein gemaht. Somit bin ich die ersten 1 ½ Monate immer Auto gefahren, was als Erstes eine ganz schöne Umstellung war (vorher bin ich nur mit

So sah das District Six aus

einem großen Diesel-VW-Bus gefahren). Als die anderen dann auch fahren konnten, war ich echt froh, weil ich nun auch die großartige Aussicht genießen darf, wenn wir Berge hoch- und runterfahren. Naja, das ist nicht ganz richtig. Obwohl die anderen auch zur Arbeit gefahren sind, wollten sie erst keine Berge fahren, weil es hier nämlich nicht das Berganfahrsystem gibt, was noch 3 Sekunden länger die Bremse hält und man das mit der Handbremse machen muss. Deswegen musste ich weiterhin in die Stadt und all die schönen Strecken fahren. Erst vor ein paar Wochen hat sich das ein bisschen geändert, als Jan auch längere Strecken gefahren ist und ich mich endlich entspannen, Buch lesen oder die Aussicht genießen konnte.

die alten Straßennamen des District Six

In unserer Freizeit waren wir vor Kurzem im District Six Museum. Kapstadt war früher nämlich in viele Districts (Bezirke) aufgeteilt, die jeweils eine Nummer hatten. Dieses Viertel sollte ab 1966 ausschließlich für „weiße“ Menschen sein, da sie mehr Wohnraum brauchten. Deshalb hat die damalige Regierung angeordnet alle „nicht-weißen“ Menschen zwangsumzusiedeln in weiter entfernte Townships. Manche dieser Menschen wohnen nun auch in Lavender Hill. Die Townships waren allerdings sehr weit von den bisherigen Arbe
itsstellen entfernt, sodass viele ihren Job aufgeben mussten. Dadurch verbreitete sich immer mehr Hoffnungslosigkeit und Armut, was einer der Gründe dafür sein kann, dass Gang-Aktivitäten in den Townships stark zugenommen haben. Wir hatten in dem Museum einen sehr guten Guide. Sie hat selbst im District Six gelebt, was zwischenzeitlich nur Brachland war und nun langsam wiederaufgebaut wird. Sie erzählte auch von ihren eigenen Erfahrungen und wie sie damit umgegangen ist, was für alle sehr berührend war.

Das schönste Erlebnis meines bisherigen Freiwilligendienstes fand am 10. November in der Kirche direkt neben der NWF statt: der Auftritt der Educare Kinder und des Junior Girls Clubs. Die Kindergartenkinder meiner Gruppe haben die lange geübten Lieder und Gedichte vorgetragen und die Junior Girls haben zwei ihrer selbst ausgedachten Choreographien gezeigt. Die Kirche war komplett gefüllt mit Menschen aus Lavender Hill und die Atmosphäre war großartig. An diesem Tag war ich wirklich stolz auf die Junior Girls, die an diesem Tag ein richtiges Team waren.

Kommentare von früheren District Six Bewohnern

Ein Wochenende später hatten wir unser erstes Braai (Grillen) in Südafrika! Eigentlich war das lange überfällig, weil manche hier sogar jedes Wochenende braaien. Leider hat uns bisher noch keiner dazu eingeladen, weswegen wir unser erstes Braai nach der Kirche hatten. Es hat super geschmeckt und war wunderbar mit den Gemeindemitgliedern noch etwas zu sitzen und zu erzählen.

Letzten Freitag habe ich auch zum ersten Mal seitdem ich hier bin Klavier gespielt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es so vermissen würde (vor allem, weil ich nie Lust hatte zu üben), aber ich habe mich sehr gefreut, ein bisschen zu spielen und dazu zu singen. Der Grund dafür war aber eigentlich, dass ich mit ein paar Mädchen ein Lied für das Krippenspiel einstudiere.

Wie ihr also seht, waren die letzten Wochen eine Zeit voller neuer und extravaganter Erfahrungen. 

P.S.: Wie auch bisher möchte ich hervorheben, dass alles was ich beschrieben habe aus meiner subjektiven Perspektive heraus geschehen ist und keineswegs verallgemeinert werden kann.

P.P.S.: Falls ihr zu einem Thema gern noch mehr erfahren wollt, lasst einfach einen Kommentar da und im nächsten Blogeintrag werde ich es etwas mehr erklären.

2 Responses

  • Britta

    Yey. Ich bin über deinen WhatsApp Status auf deiner Seite gelandet. Hat Spaß gemacht deine Berichte zu lesen 🙂
    Ich wünsche dir in den nächsten Monaten noch viele tolle Eindrücke und Erfahrungen!
    Liebe Grüße aus Bochum
    Britta

    Antworten
  • Kenan Bas

    Liebe Leonie.
    Mit besonderem Interesse verfolge ich deine Blog-Einträge. Jedes Mal möchte ich dazu etwas schreiben, aber, wie so oft, vergesse ich es.
    Nur diesmal musste ich etwas schreiben. Es erfüllt mich mit besonderem Stolz, dass du dort viel Auto fahren musst und…dann nich Linksverkehr. Somit bist du für alle Etwaigkeiten gewappnet, in aller Welt, was das Autofahren angeht. Mich als deinen Fahrlehrer freut das besonders. Ich bin mir sicher, dass du mit deiner Art, die ich kennen und lieben lernen durfte, dort in der Ferne ebenso gemocht wirst. Daran besteht keinerlei Zweifel.
    Bleib so, wie Du bist und ich hoffe, dich dann auch wieder bald in Bochum sehen zu können.
    Viel Erfolg und vorallem Spass bei allem, was du tust und vorhast.
    Liebe Grüße. Kenan

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.