Schon 30 Tage – wie ist die Lage?

Nun ist es schon vier ganze Wochen her, dass ich in Namibia gelandet bin. Darum möchte ich auch mal endlich über mein Tun berichten. Zunächst aber der Reihe nach: Nachdem ich zusammen mit Jule (deren Blog aus Maltahöhe hier auch zu finden ist) in Windhoek angekommen war, sind wir dort im Partnerschaftsbüro begrüßt worden. Uns wurde ein wenig die Stadt gezeigt, bevor Jule dann schon am folgenden Tag in ihre Einsatzstelle konnte. Ich bin noch eine weitere Nacht in der Hauptstadt geblieben, kenne nun Chinatown und habe Kapana probieren dürfen, Rindfleisch vom Grill, das allenthalben gebraten und verkauft wird. Nach einer einstündigen Fahrt über die B1, Hauptverkehrsader Namibias, Richtung Norden waren wir in Okahandja angekommen, wo ich vom Pastor dort meine Wohnung gezeigt bekommen habe. Ich lebe direkt neben dem Andreas-Kukuri-Centre, meiner Arbeitsstelle, und habe zwei Zimmer: Eines mit einer Wohnecke und einer Küchenzeile, das andere ist das Schlafzimmer, sowie ein Bad. Supermarkt und andere Geschäfte sind fußläufig erreichbar, es liegt recht zentral. Okahandja hat etwa 20.000 Einwohner.
Das Andreas-Kukuri-Centre ist ein Gemeindezentrum, das Aktivitäten für verschiedene Gruppen, wie Jugend, Frauen und Männer anbietet. Es gehört zur Evangelical Lutheran Church of Namibia (ELCRN), die wiederum eine Partnerkirche der VEM ist. Gleich daneben befindet sich das Andreas-Kukuri-Conference-Centre, eine Institution, in der die Möglichkeit für Seminare und Versammlungen nebst Übernachtungsplätzen besteht.
Hier auf der Südhalbkugel nimmt der Sommer so langsam seinen Anfang, wobei die Temperaturen tagsüber ohnehin schon bei für einen Wuppertaler zuweilen unangenehmen 35 °C liegen. Da zu dieser Zeit keine Schulferien sind und sich das meiste um Weihnachten abspielt, habe ich im Gemeindezentrum noch nicht viel zu tun. Eine Website gab es zu entwerfen, die ist aber noch nicht ganz fertiggestellt. Dafür bin ich mehr im Conference-Centre aktiv, wo ich schon einige Male in der Küche helfen konnte. Es gibt mehrere Gästegruppen, die versorgt werden. Wie mir nahegebracht wurde, herrscht in Namibia eine fleischlastige Ernährung vor, darum habe ich mich die meiste Zeit um den sogenannten „Braai“ gekümmert, also Gegrilltes. Die Verantwortlichen haben mich sehr freundlich aufgenommen. Kontakt zu einer Jugendgruppe habe ich auch schon knüpfen können; es wird sich immer am Wochenende zwei Mal getroffen. Dann gibt es einige Aktivitäten, die sich die Gruppe selbst überlegt, und danach wird gesungen, denn zusammen bilden die Jugendlichen einen Chor.
An den letzten beiden Wochenenden konnte ich jedoch nicht dabei sein, weil ich die Möglichkeit hatte, herumzukommen. Es hat eine „Youth Convention“ in Windhoek stattgefunden, bei der meine Nachbarin hier am Centre, Pastor Iyaloo, die Leitung innehatte. Die Vertreter der „Jungen Erwachsenen“ der namibischen Kirchenkreise hatten sich zusammengefunden, um über aktuelle Probleme zu diskutieren, Lösungsansätze zu finden und dabei zwei gute Tage miteinander zu verbringen. Es war interessant zu hören, dass viele Hürden der hiesigen Gemeinden denen deutscher Kirche ähneln; so wurde etwa auch hier kritisiert, dass Jugendliche konfirmiert werden, aber weder davor noch danach zu den Gottesdiensten kommen. In der Zeit, die ich bisher hier verbracht habe, konnte ich allgemein jedoch feststellen, dass die Identifikation mit dem eigenen Glauben oft groß ist. Viele sind darauf stolz, Lutheraner zu sein und tragen das auch nach außen.
Am letzten Wochenende bin ich in Mariental gewesen, einer Stadt etwa drei Stunden südlich von Windhoek. Dort wurde die Non-Ordained Members Organisation (NOMO) eingeweiht, eine Organisation, die es der Basis der ELCRN ermöglichen soll, besser vertreten zu sein und Veränderungen wirksamer herbeizuführen. Die Freude und Zuversicht war groß an diesen beiden Tagen, es wird eine große Verantwortung gefühlt und viel Optimismus aufgrund der sich nun bietenden Möglichkeiten. Auch der namibische Bischof war bei den Feierlichkeiten zugegen, ihn habe ich als sehr lockeren und sympathischen Menschen wahrgenommen. Die Fahrt zurück nach Okahandja war wie schon der Hinweg wirklich beeindruckend. Die Dimensionen dieses Staates, der mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland, sind nur schwer zu begreifen. Teilweise führt die Straße 60, 70 Kilometer einfach geradeaus, ohne dass auch nur ein Haus oder eine Ortschaft auftaucht. Die Landschaft ist von Bergen über Felsformationen bis hin zu scheinbar endloser Steppe sehr vielfältig, auch wenn ich jetzt nur einen kleinen Teil des Landes gesehen habe. Viehzäune, die sich fast über die gesamte Strecke am Straßenrand entlangziehen, zeigen, dass es sich um Weideland handelt. Ab und an sah ich Gruppen von Ziegen oder Kühen, und es macht den Eindruck, als hätten sie ihren eigenen Staat, so groß sind die bewirtschafteten Flächen. Auch Wildtiere sind von Zeit zu Zeit anzutreffen; häufiger tummeln sich Paviangruppen an den Straßen, und auch Gazellen sind zu sehen.

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